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Damals: Benefizspiel für Josef Forthofer – Neuburger Rundschau 1975

Der ehemalige Burgheimer Verteidiger laboriert seit zwei Jahren an kompliziertem Beinbruch

Zu einem Fußballspiel ganz besonderer Art empfängt der TSV Burgheim am Sonntag den TSV Gersthofen. Die Augsburger waren es nämlich, die vor zwei Jahren zu einem Punktspiel der Bezirksliga Nord in Burgheim gastierten, als es passierte. Dieses Treffen wurde für den Burgheimer Verteidiger Josef Forthofer zu einem Schicksalsschlag, dessen Folgen bis heute noch nicht ganz überschaubar sind.

Bei eisiger Kälte wurde Forthofer in der zweiten Halbzeit eingewechselt und schon im ersten Zweikampf mit einem Gästestürmer brach er sich das Schien- und Wadenbein ohne Verschulden des Gegners. Er wurde sofort in das Krankenhaus nach Neuburg/Donau eingeliefert und operiert. Zunächst schien auch alles normal zu verlaufen, doch traten bald unvorhergesehene Komplikationen auf, die eine rasche Heilung verhinderten.

Neuartige Operation

Nach über vier Monaten erfolglosen Krankenhausaufenthalt in Neuburg wurde Forthofer in die Hessing-Klinik nach Augsburg verlegt. Trotz bester ärztlicher Betreuung zeichnet sich jetzt erst eine leichte, jedoch hoffnungsvolle Besserung ab. Erst in jüngster Zeit entschloß sich ein Ärzteteam unter Chefarzt Prof. Dr. Mohing zu einer neuartigen Operation. Die Chirurgen nahmen Knochen- und Knochenmarktverpflanzungen aus den Hüften vor und hoffen, dadurch eine entscheidende Wende im Heilungsprozeß herbeizuführen. Josef Forthofer, dessen ungebrochene Moral in dieser Situation nur bewundert werden kann, ist jedenfalls selbst recht zuversichtlich.

Kurz der sportliche Werdegang von Josef Forthofer bis zu seiner schweren Verletzung. Er begann im Jahre 1959 beim TSV Burgheim mit dem Fußballspielen. Der damals 18 jährige schloß sich der neu gegründeten Reservemannschaft an und schaffte bereits ein Jahr später den Sprung in die erste Mannschaft, die damals in der B-Klasse spielte. Forthofer war in dieser zeit als rechter Läufer eingesetzt, doch erkannte man bald, daß seine eigentliche Stärke auf dem Verteidigerposten liegt.

Durch sein erfolgreiches Deckungsspiel war er schon nach kurzer Zeit für die Außenstürmer der anderen Vereine ein  Begriff. Er hatte einen wesentlichen Anteil daran, daß der TSV Burgheim ein paar Jahre später den Aufstieg in die A-Klasse schaffte. Auch in der höheren Klasse konnte sich Forthofer gut behaupten und hatte einen nie gefährdeten Stammplatz in der ersten Mannschaft. Seinen größten sportlichen Erfolg erlebte er, als er mit der Burgheimer Mannschaft in die Bezirksliga aufstieg und auch hier seine Nominierung stets rechtfertigte.

Als Josef Forthofer schließlich mit 32 Jahren langsam an den Rücktritt dachte und nicht mehr jede Partie mitspielte, lebte der TSV Burgheim eine leichte Krise. Geplagt von Verletzungspech und Spielerabwanderungen blieb dem Trainer nichts anderes übrig, als auf Routiniers zurückzugreifen, wobei Josef Forthofer in vorderster Front stand. In diesen „bangen“ Tagen des Vereins zeigte Forthofer echten Sportsgeist und kämpfte wieder um Punkte. Daß diese vorbildliche Einstellung ihn derart hart treffen würde, konnte wohl niemand ahnen.

Nur dürftige Unterstützung

Der inzwischen 34jährige Vater von vier Kindern bezog in dem damaligen Wintermonat Schlechtwettergeld, so daß ihm nur eine minimale Unterstützung zuteil wurde. Die Sportversicherung, die über den BLSV beim Gerling-Konzern bestand, ist ebenfalls mehr als dürftig. TSV-Vorstand Werner Böll, Initiator dieser einmaligen Veranstaltung, bat den TSV Gersthofen nun zu einem Benefizspiel für einen Sportler, dessen 15-jährige Fußballkarriere so unglücklich endete. Die spontane Einwilligung des TSV Gersthofen zeugt von sportlicher Verbundenheit.

Erlös für Forthofer

Leider kann Josef Forthofer dieser Veranstaltung nicht persönlich beiwohnen, denn die erneute Operation bindet ihn ans Krankenbett. Voraussichtlicher Leiter des Spiels wird Bundesligaschiedsrichter Karl Riegg aus Augsburg sein. Er Erlös aus freiwilligen Eintrittsgelder dieses Treffens wird Josef Forthofer zugeleitet. Der TSV-Vereinsführung sowie die Spieler und Trainer Jantschik rufen die Freunde und Gönner des TSV auf, diese Veranstaltung zu unterstützen und zu deren Gelingen beizutragen. (pm)

Anmerkung: Verein kommt von vereint. Respekt für das Engagement von Herrn Forthofer Josef bzw. der damaligen Vorstandschaft um Herrn Böll Werner.

 

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